MWC Barcelona 2026: Die wichtigsten Neuheiten und Trends vom Mobile World Congress
Die MWC Barcelona ist eine der größten Fachmessen für mobile IT, Telekommunikation und Hardware. Dementsprechend hat es sich das Team von IOTIQ nicht nehmen lassen, diese Messe zu besuchen. Unser Ziel war es, Markttrends zu beobachten, neue Technologien kennenzulernen, potenzielle Partnerschaften, gerade auch im Hardwarebereich, zu prüfen und relevante Entwicklungen für unsere MDM-Kund*innen zu identifizieren. Im folgenden Artikel teilen wir unsere Erkenntnisse, Highlights sowie Prognosen für das kommende Jahr mit Ihnen.
Trends vom Mobile World Congress im Zeichen der politischen Weltlage
Die geopolitische und wirtschaftliche Lage ist derzeit alles andere als ruhig. Die neu formulierten politischen Ambitionen der USA, bei denen Tech-Konzerne eine zentrale Rolle spielen, wirken sich spürbar auf Unternehmen in Deutschland aus, besonders auf deren eingesetzte IT-Hardware und Software. Europäische und deutsche Produkte werden verstärkt nachgefragt, auch MobiVisor MDM verzeichnet in diesem Umfeld zusätzliche Anfragen. Datenschutz und digitale Souveränität sind das Motto der Stunde.
Dennoch erscheint es auf den ersten Blick so, als ob Europa noch keine Vorreiterrolle in Bezug auf technische Innovationen einnimmt. Sehr stark vertreten waren, gerade im Bereich der Hardware, chinesische Hersteller, die fast ausschließlich das Rugged-Device-Segment für sich beanspruchen.
Rugged Devices aus China: Was steckt hinter dieser Entwicklung?
Mit MobiVisor MDM haben wir bereits Partnerschaften im Bereich Rugged Devices, zum Beispiel mit Crosscall. Um unser Produktportfolio noch weiter zu diversifizieren, schauten wir uns auch auf der MWC Barcelona um. Besonders fiel uns auf, dass etwa 95% Prozent der Rugged-Device-Anbieter aus China stammten, wie zum Beispiel Ulefone. Diese haben sich teilweise stark auf bestimmte Branchen wie Bau, Industrie, Pflege und Logistik spezialisiert und bieten daher spezifische, technisch weit ausgereifte Features.
Bei Ulefone fielen uns zum Beispiel integrierte Nachtsichtkameras, Thermalkameras, große Akkus mit extrem langer Laufzeit und viele weitere Add-ons bei einigen Modellen auf.
Damit positionieren sich die Rugged-Device-Anbieter als Nachfolger der CAT Phones, also Rugged Devices unter der CATERPILLAR-Marke, die seit Januar 2024 nicht mehr produziert werden und bis dahin zu den großen Playern im Rugged-Device-Markt gehörten. Dadurch, dass der Mainstream-Markt für Smartphones und Tablets weiterhin von Apple und Samsung dominiert wird und beide keine eigenen Rugged-Serien anbieten, liegt es nahe, sich als Hersteller mobiler Geräte auf genau diesen Markt zu fokussieren. Dazu kommt eine weiter fortschreitende Digitalisierung der Blue-Collar-Branchen, gerade auch in den sogenannten Schwellenländern. Es ergibt sich also ein Markt, der sich stetig erweitert. Auch unsere Kund*innen setzen bereits vermehrt auf Rugged Devices. So werden beispielsweise Scanner von Point Mobile eingesetzt, einem südkoreanischen Hersteller.
Links: Die Thermalkamera bei Ulefone im Test
Rechts: Unser Geschäftsführer Sven Noack und Productmanager Toni Voß vor den Toren der MWC Barcelona
Chinesische Hardware im Einsatz in Deutschland: ein Problem für die DSGVO?
Beim Einsatz von Hardware chinesischer Hersteller müssen sich Käuferinnen der möglichen Risiken bewusst sein. Dazu zählen unter anderem die umfangreiche Sammlung personenbezogener Daten, auch zu Werbezwecken und der unkontrollierte Datenabfluss, wodurch Daten europäischer Nutzerinnen nicht mehr geschützt wären. Grundsätzlich sind chinesische Hersteller jedoch verpflichtet, auf die Einhaltung der DSGVO zu achten, wenn sie ihre Produkte in Europa verkaufen wollen. Verbraucher*innen sollten daher darauf achten, mobile Geräte nie direkt aus China zu importieren, sondern über einen offiziellen europäischen Händler zu beziehen, der die DSGVO-konforme Version der Geräte anbietet.
Nachdem wir einige chinesische Software- und Hardwareanbieter auf der Messe treffen konnten und neben mobilen Geräten auch zahlreiche andere futuristisch anmutende technologische Entwicklungen kennenlernen durften, entsteht für uns der Eindruck, dass asiatische Hersteller technologisch teilweise deutlich weiter sind als europäische Anbieter. Somit bleibt Asien, insbesondere China, auch 2026 ein zentraler Innovationstreiber.
Europa zieht nach! Unser Highlight auf der MWC Barcelona
Doch nicht nur aus Asien kommen spannende Innovationen, auch Europa konnte uns mit neuen Entwicklungen überzeugen. Am Stand der Deutschen Telekom konnten wir das T-Phone und das T-Tablet 2 live erleben. Diese sollen besonders durch integrierte KI-Funktionen überzeugen. Wichtig dabei ist, dass diese jederzeit ausgeschaltet werden können, was für die Einhaltung der DSGVO in Unternehmen relevant ist. Besonders gut hat uns das T-Tablet 2 gefallen, da hier die NXTPaper-Technologie eingesetzt wird. Dabei kann das Display per Knopfdruck in eine E-Ink-ähnliche Darstellung wechseln, was bei längerem Lesen die Augenbelastung erheblich reduziert. Ein weiteres Highlight aus Europa ist das Jolla Phone. Dieses von einer finnischen Firma entwickelte Linux-basierte Smartphone schreibt auf der eigenen Website:
„Wir entwickeln Sailfish OS, das einzige europäische mobile Betriebssystem, das seit über einem Jahrzehnt weltweit Vertrauen genießt und nun für KI-gestützte Anwendungen optimiert wurde. Unsere App-Support-Technologie ermöglicht es, Android-Apps auf Linux-Plattformen auszuführen. Unser datenschutzorientierter KI-Computer Jolla Mind2 bietet sichere KI-Funktionen für verschiedene Branchen.“ (www.jolla.com, abgerufen am 13.03.2026)
Durch die Android-App-Integration ist dieses Smartphone deutlich praxistauglicher als viele andere Linux-Smartphones. Für die Zukunft, in der Datensouveränität immer wichtiger wird, könnte dies auch einen Anstieg der Nutzung von Linux-basierten Smartphones bedeuten.
Das bedeutet allerdings auch, dass MDM-Anbieter nachziehen müssen, denn der Markt für MDM-Lösungen, die Linux ebenfalls unterstützen, ist bisher sehr klein. Auch bei MobiVisor MDM arbeiten wir derzeit an dieser Entwicklung. Für all jene, die nach echten Alternativen zum Google-Ökosystem suchen, ist Jolla definitiv ein Name, den man im Auge behalten sollte.
Ersetzt KI Software-as-a-Service-Lösungen?
Eines der dominierenden Themen der MWC Barcelona war Künstliche Intelligenz. Diese wird zunehmend in die Hard- und Software mobiler Geräte integriert. Typische Entwicklungen sind dabei KI-Chips in Smartphones, On-Device-Verarbeitung sowie lokale AI-Assistenten.
KIs werden immer tiefer in bestehende Softwaresysteme integriert und ergänzen SaaS-Lösungen. Der Eindruck, dass SaaS-Lösungen in Zukunft vollständig von KI-Anwendungen ersetzt werden, konnte sich (noch?) nicht bestätigen. Dafür erschienen die KI-Features, die als neu vorgestellt wurden, nach unserem Eindruck zu wenig innovativ, auch wenn es interessante Anwendungen zur Optimierung von Workflows, zur Erstellung von Grafiken und vieles mehr gibt. Nach unserer Auffassung wird die SaaS-Branche durch KI nicht vollständig ersetzt, aber sie transformiert sich und entwickelt „AI-native“ Lösungen weiter, die autonomer und prozessorientierter laufen.
Smart Glasses auf der MWC Barcelona: Interessantes Gadget, aber noch nicht massentauglich
Es gab auf der MWC Barcelona auch einige Neuigkeiten im Bereich Smart Glasses, die wir testen konnten, zum Beispiel die Smart Glasses von Qwen-AI (Alibaba Group) und die Smart Glasses von Meta Platforms. Die Smart Glasses zogen naturgemäß viel Aufmerksamkeit auf sich, lange Schlangen für einen Testlauf inklusive. Die Ernüchterung folgte jedoch auf dem Fuß: Metas Angebot punktete zwar mit guter Kameratechnik, bietet jedoch kein Augmented Reality. Dieses Feature gibt es erst ab dem neuesten Modell, welches derzeit nich nicht für den deutschen Markt freigegeben ist. Qwen-AIs Brille zeigte erste AR-Ansätze, die Bildqualität ließ jedoch zu wünschen übrig. Parallel dazu wurde bekannt, dass mit Meta Glasses aufgenommene Fotos und Videos illegal weiterverwendet wurden und implementierte Mechanismen zur Kennzeichnung von Aufnahmen einfach umgangen werden können, sodass anderen Personen nicht angezeigt wird, ob sie gerade aufgenommen werden oder nicht. Ein Datenschutzskandal, der die ohnehin kritische Diskussion rund um Wearables weiter befeuert. Einer der positiven Aspekte der Nutzung von Smart Glasses ist die komplett freihändige Bedienung. Dazu gehören schnelle Foto- und Videoaufnahmen, besonders nützlich zur Dokumentation, Simultanübersetzungen sowie Funktionen wie Musikhören, Telefonieren oder Nachrichten senden. Demgegenüber stehen jedoch ein nach wie vor relativ hoher Preis und ein geringer praktischer Nutzen, denn derzeit benötigt man sowohl Smart Glasses als auch ein Smartphone, um alle Funktionen richtig nutzen zu können. Der hohe Preis macht sie zusätzlich eher zu einem Gadget für wenige Nutzer*innen. Die viel beworbenen KI-Features der Smart Glasses blieben ebenfalls etwas hinter den Erwartungen zurück. So wurden Flaschenkorken von den Meta AI Glasses als essbare Snacks interpretiert. Na dann, guten Hunger!
Links: Smart Glasses on Display
Rechts: Sven Noack (CEO, IOTIQ GmbH Deutschland) und Özer Aydemir (CEO, IOTIQ GmbH Türkei) im Gespräch
Unser Fazit der MWC Barcelona 2026
Die MWC 2026 hat das gespaltene Bild der Mobilfunkbranche deutlich gemacht. Auf der einen Seite stehen chinesische Hersteller, die mit schier endlosem Innovationsoutput und massiver Marktpräsenz dominieren. Das zeigt sich zum einen in der starken Präsenz im Rugged-Device-Bereich, zum anderen auch im Bereich der Privatnutzer*innen, wo Xiaomi und Samsung eine große Marktmacht darstellen. Auf der anderen Seite steht ein europäisches Ökosystem, das zwar erste vielversprechende Ansätze zeigt, in Breite und Innovationsgeschwindigkeit aber noch erheblich aufholen muss, besonders im Bereich der Rugged Devices und innovativer Hardware. Für uns als MDM-Anbieter bestätigt die MWC eines deutlich: Die Nachfrage nach digitaler Souveränität, Datenschutz und sicherer Geräteverwaltung wächst. Gleichzeitig wird die Herausforderung, vertrauenswürdige Hardware zu identifizieren und zu qualifizieren, nicht kleiner. Wir bleiben an diesem Thema dran, für uns und für Sie.