Warum hinkt Deutschland so sehr mit der Digitalisierung hinterher?

Es wird Zeit für Veränderung.

Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland in den letzten Jahren nicht als innovativstes Land gegolten hat. Man könnte sogar sagen, dass Deutschland die Digitalisierung verschlafen hat. Woran liegt das? Und ist es überhaupt noch möglich, den Rückstand gegenüber Ländern wie der USA oder China aufholen?

Diesen Fragen und Herausforderung widmen sich Politiker und Experten unter anderem beim WELT Wirtschaftsgipfel, welcher Anfang diesen Jahres stattfand (Jan. 2019). Wie ist es also dazu gekommen, dass wir als Land so stark hinterherhinken? Ein Ansatz: während die Tech-Giganten sich auf alle Bereiche weltweit konzentrieren, beschäftigt Deutschland sich noch mit klassischen Branchen wie dem Automobil- oder Maschinenbau. Trotzdem sagt Thomas Buberl, deutscher Chef des Versicherungsunternehmens Axa: „Wir sollten uns konzentrieren auf unseren Bedarf, innovative Champions zu entwickeln in Bereichen, in denen wir Stärken haben.“ Oder wie es Frank Riemensberger von Accenture sagt: „In Deutschland haben wir die Automobilindustrie, und dann lange nichts.“ Konzentrieren wir uns auf unsere Stärken, so wie es Herr Buberl sagt, so entscheidet sich am Ende, ob traditionelle Autobauer oder autonome Fahrzeuge gewinnen. Trotzdem aber muss der digitale Rückstand im Bereich KI verkleinert werden

 

Infrastrukturelle Herausforderungen

Sich als Wirtschaft auf einige Bereiche zu konzentrieren wäre kein Problem, wenn unsere Infrastruktur einen Nährboden bieten würde, der Startups aus allen Branchen Mittel zur Verfügung stellt. Denn die Förderung für Startups fehlt – während man hierzulande mit zehntausend-Beträgen rechnen kann, werden KI-Projekte in China mit Milliarden unterstützt. Weil dann zum Beispiel auch die Anlagevorschriften für Versicherungsunternehmen in Deutschland strenger sind, wandern viele IT-Unternehmensgründungen ab. Ein enormer Verlust.

Nicht umsonst sind wir seit Jahren der Papierverschwendungs-Weltmeister: ein so sehr von Bürokratie geprägtes System kennt kaum ein Land. Für viele (neu gegründete) Unternehmen sind unsere langwierigen Prozesse, die man durchaus als innovationsbehindernd bezeichnen kann, zu langwierig, komplex und unnötig, als dass man sich langfristig damit auseinandersetzen möchte. Dazu kommt der Regulierungsdrang der Politik, der sich selbst und der Digitalisierung im Weg steht. Wer sich für längere Zeit mit deutschen Behörden beschäftigt, hat irgendwann keinen Spaß mehr an der Arbeit: ein weiterer Grund, dass viele Unternehmen ins Ausland gehen.

 

Das Bildungssystem muss den ersten Schritt wagen

Auch das deutsche Bildungssystem hat den Anschluss verschlafen: an Ausbildungsstellen für digitale Fachkräfte fehlt es noch immer enorm. Doch hier fängt das Problem nicht an – zwar werden infrastrukturelle Angelegenheiten wie WLAN in der Schule endlich diskutiert, doch an digitalen Lernkompetenzen wie dem „Flipped Classroom“ fehlt es noch immer. So entsteht eine strukturelle Herausforderung für die ganze Gesellschaft in der Frage, der digitalen Transformation gerecht zu werden. Ziel muss es demnach sein, attraktive Karrierepfade und Vorbilder zu fördern, denn wir haben noch circa zwei Jahre, bis es zu spät ist, den Rückstand aufzuholen.

 

Vertrauen in die eigenen Fachkräfte

Und ähnlich wie die Branchen hierzulande zu sehr auf Tradition beharren, so ist auch die deutsche Wirtschaft zu sehr auf den eigenen Markt konzentriert. Andererseits aber vertrauen Führungskräfte nicht in die landeseigenen Mitarbeiter: „76 Prozent der befragten Entscheider aus 2000 Großunternehmen nannten das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter mit Digital-Knowhow als wichtigste Hürde für die Digitalisierung“, so das Manager Magazin. Das heißt umgekehrt, dass nur ein Viertel der Unternehmen ihre Mitarbeiter für qualifiziert hält – vor zwei Jahren waren es noch fast die Hälfte der Unternehmen. Auch die Prioritäten haben sich geändert: „nur noch 50% gegenüber 60% im Vorjahr halten Digitalisierung für eine Top-3-Priorität in der Unternehmensführung“.

 

Wie man sieht, braucht es also noch einige Veränderungen, die einerseits strukturell, aber andererseits vor allem mental passieren müssen. Denn Deutschlands größtes Problem ist letztendlich seine Sturheit, sein Unwille, Veränderungen zuzulassen und umzudenken – etwas, das gesellschaftlich geschehen und vorangekurbelt muss.

 

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